Rosenbaumsche Laubhütte

Plz/Ort97299 Zell am Main
StraßeHauptstraße
SuchbegriffeLaubhütte

--- Standort-Details --- Landkreis: Landkreis Würzburg Bundesland: Bayern Land: Deutschland Art: Apartments

DIE ROSENBAUMSCHE LAUBHÜTTE

Das siebentägige Laubhüttenfest im Herbst ist im jüdischen Festzyklus bis heute fest verankert. Es verbindet den Dank für die jährliche Ernte mit der Erinnerung an die erfolgreiche Schutzsuche der Israeliten in einfachen Hütten während des Exodus durch die heiße und trockene Wüste.

Das Fest fußt auf zwei biblischen Geboten im 3. Buch Moses, wonach eine temporäre Hütte zu errichten und ein Feststrauß (Lulav) aus bestimmten Pflanzen zu binden ist. Die Hütte (Sukkah) wird so errichtet, dass die darin versammelte Festgemeinde unter einem Schatten spendenden Dach aus frisch geschnittenem Laub sitzt und gleichzeitig einen freien Blick auf den Himmel hat.

JÜDISCHE FESTKULTUR DER EMANZIPATIONSZEIT

Als Einhausung ihrer Laubhütte diente den Rosenbaums praktischerweise das ehemalige Waschhaus des Unterzeller Klosters in ihrem Garten. Die Entscheidung, die Laubhütte nicht, wie noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts üblich, versteckt und verborgen unter dem Dachstuhl im Innern des Wohnhauses, sondern gut sichtbar im Garten ihres Anwesens aufzubauen, verweist einmal mehr auf das feste Vertrauen der Rosenbaums in die bayerische Gesetzgebung und die nichtjüdische Nachbarschaft. Dies macht die Rosenbaumsche Laubhütte zu einem bemerkenswerten Denkmal jüdischer Festkultur der Emanzipationszeit.

DAS SPEKTAKULÄRE DACH

Auffälligstes äußeres Merkmal der Laubhütte ist das Dach, das mit einer Kurbel geöffnet werden konnte. Dieser Öffnungsmechanismus ist so nirgends belegt und macht die Rosenbaumsche Laubhütte auch in handwerklicher Hinsicht zu einer Besonderheit.

Die erhaltenen Reste dieses Dachöffnungsmechanismus werden im Innern der Laubhütte gezeigt und erläutert.

 

DIE FARBFASSUNGEN

Die geschmackvolle farbige Gestaltung der Wände im Innern der Laubhütte wurde von der Familie Rosenbaum im Laufe des 19. Jahrhunderts mehrmals erneuert. So konnten bei den Restaurierungsarbeiten Malereien aus unterschiedlichen Zeiten freigelegt werden. Sie sind im Innern der Laubhütte zu sehen.

Farbfassungen im Inneren der Laubhütte
Fotografie Karl Hoyer, 2014

 

DER VERKAUF DER LAUBHÜTTE

Lippmann Wolff (1856–1914), Ehemann von Rachel (1856–1937), geb. Goldschmidt, Enkelin des Mendel Rosenbaum und zuletzt „Tintenfabrikant“ in Zell, verkaufte 1909 das Anwesen samt Laubhütte an die junge Familie des katholischen Eisenhändlers Georg Julius Herrmann (1881–1960).

Die Laubhütte vor 1971
Fotografie Privatbesitz

Die neuen Besitzer ließen die Laubhütte weitgehend unberührt und nutzten das kleine Gebäude als Schuppen. Erst nach dessen Weiterverkauf Anfang der 1970er Jahre wurde die Dachöffnungskonstruktion abmontiert und auf den Deckenbalken des Dachstuhls abgelegt.

Die Rosenbaumsche Laubhütte war in Unterzell nun zwar aus den Augen, nicht aber aus der Erinnerung verschwunden.