Synagoge
| Plz/Ort | 97753 Karlstadt |
|---|---|
| Straße | Bandwörthstraße |
| Suchbegriffe | Synagoge |
Die ehemalige Synagoge Laudenbach
Die ehemalige Synagoge Laudenbach zählt zu den ältesten, baulich wenig veränderten Dorfsynagogen in Deutschland. Ihre Anfänge reichen in das 17. Jahrhundert zurück. Bewusst wurde sie so geplant, dass sie von einem normalen Wohnhaus kaum zu unterscheiden ist.
Ihre Lage am Ortsrand des Dorfes spiegelt die damalige gesellschaftliche Situation der Juden im Land: Sie waren nur geduldet.
Die Inneneinrichtung der Synagoge wurde im Pogrom 1938 völlig zerstört. Bauliche Besonderheiten wie die gewölbte Decke mit Sternenbemalung, das Misrachfenster, der Hochzeitsstein (Chuppastein) und hebräische Inschriften sind erhalten geblieben.
Eine Besonderheit der Synagoge Laudenbach ist der Tahara-Raum: Hier wurden Verstorbene auf ihre Beerdigung vorbereitet. Unter dem Fußboden des Tahararaums befindet sich ein verfüllter Hohlraum, mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Tauchbad (Mikwe).
Die ehemalige Synagoge ist heute ein öffentlicher Ort der Kultur und der Erinnerung. Hier werden regelmäßig Führungen und Jugendprojekte sowie Theater-, Lesungs- und Musikveranstaltungen angeboten.
Sie soll wieder an das anknüpfen, was sie einmal war:
ein Ort der Begegnung, des kulturellen Austausches und des Lernens.
Wozu dient eine Synagoge?
Im Unterschied zu einer christlichen Kirche ist die Synagoge für die jüdische Gemeinde nicht nur Gebetshaus, sondern auch Versammlungshaus und Gemeindezentrum.
In diesem Gebäude wurde täglich gebetet und an jedem Schabbat (Samstag) die Thora verkündet, hier wurden aber auch Feste gefeiert, es wurde studiert, Kinder unterrichtet, es wurden Gemeindeangelegenheiten besprochen und Konflikte ausgetragen.
Und vor allem: Die Synagoge war ein ungestörter Ort der Heimat für die jüdische Gemeinde.
Geschichte der Synagoge
- 1426: Erste schriftliche Erwähnung von zwei jüdischen Familien in Laudenbach.
- 1490: Verkauf der Synagoge; nach Umbauten Nutzung als landwirtschaftlicher Lagerraum.
- 16. Jahrhundert: Kontinuierliche Erwähnung jüdischer Familien.
- Ende 16. Jh.: Gründung des jüdischen Friedhofs.
- 1621: Acht jüdische Familien leben im Ort.
- 1633: Befreiung von Kontributionszahlungen.
- 1657: Erste schriftliche Erwähnung der Synagoge.
- 1736: Renovierung der Synagoge.
- 10. November 1938: Beim Novemberpogrom wird die Inneneinrichtung zerstört.
- 1938–1945: Nutzung als Getreide-, später Kohlelager.
- 4.–6. April 1945: Beschädigung durch Artilleriebeschuss.
- 1949: Reparatur der Außenmauern und Nutzung als Lagerraum.
- 2012: Widmung als Kulturdenkmal.
- 2013: Gründung des Fördervereins „Ehemalige Synagoge Laudenbach“.
- 2015: Erwerb der Synagoge durch die Stadt Karlstadt.
- 2024: Abschluss der Sanierungsmaßnahmen.