Synagoge
| Plz/Ort | 97342 Obernbreit |
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| Straße | An der Synagoge |
Beschreibung der ehemaligen Synagoge durch Josef Sänger aus dem Jahre 1927
Obernbreit hatte noch bis zum Jahre 1906 eine schöne Synagoge. Am Ende der Judengasse – heute ist es leider eine Scheune – lag sie, von drei Seiten zu erreichen. Die Synagoge war äußerlich einfach von einem modernen Hause nicht zu unterscheiden. Das Ole we Ja-ured (Auf- und Absteigen) war dadurch gekennzeichnet, dass man einen Tritt aufstieg, dann durch den Flur die Treppen hinabstieg. Dies mögen ungefähr acht Treppen gewesen sein. Rechts und links die Bänke der Männer, ungefähr je 15 Reihen à 4 Plätze. 120 Männer konnten sich hier zu gemeinsamer Andacht versammeln und diese Plätze waren in den Jahren um 1840 bis 1870 noch alle besetzt.
In der Mitte der Synagoge stand der Allmemor (Vorlesepult). Dieser war aus Holz ellipsenförmig. Der Tisch, worauf man die Sefers¹ zum Vorlesen legte, war verstellbar und dem Feste bzw. dem Tage entsprechend mit einer Schulchandecke² bedeckt. Die Rückseite des Tisches war eine Bank, worauf rechts die große Anzahl Wimpeln³ lag und wo man mit dem zweiten Sefer Platz nahm. Auch Hakboo⁴ und Gelilo⁵ wurde auf dieser Bank vorgenommen. Vor dem Schulchan rechts war der Stand des Chassen (Vorbeter), links das gleiche Pult, der Platz für die Awelim⁶ zum Kadisch⁷ sagen. In der Mitte der gegen Osten stehenden Vorderwand war ein Einbau für die Sefer-Tauros⁸, zu welchem man zwei Treppen emporstieg.
Prächtige goldbestickte Vorhänge, einen getriebenen Chanukaleuchter und schöne Kronenleuchter gaben dem Gotteshause ein weihevolles Gepräge.
Die Frauen-Synagoge bestand aus einer Empore, die in den 60er Jahren angebaut wurde. Diese hing der Breite nach an der Rückmauer der Synagoge und war von der Frauenabteilung, die links vor der Eingangstüre zur Männerabteilung durch Treppen erreichbar und längs der Synagoge lag, mittels einiger Treppen zu erreichen. Während die Bänke der ursprünglichen Frauenabteilung in derselben Richtung als die der Männer standen, waren die Bänke in der Empore der Breite nach angebracht.
Jeder Sitzplatz hatte eine Einrichtung zum Halten einer Kerze. Die Frauenabteilungen waren mit Gittertürchen (grünem Maschendraht) abgeschlossen. Diese konnte man beliebig öffnen, wenn die Gattin mit ihrem Manne einmal lachen oder ihm einen strafenden Blick zuwerfen wollte.